Reise blog von Travellerspoint

Einmal Todeszone

Und zurück

storm 37 °C

Hier bin ich wieder und versuche meine alte Blogquote einzuhalten. Zu erzählen gibt es eigentlich immer genug. Und so auch in den letzten Tagen:
Da die Familie eines philipinischen Arbeitskollegen bald zu Besuch kommt und seine beiden total verwöhnten kleinen Söhne unterhalten werden wollen, haben wir beschlossen den örtlichen Vergnügungspark zu erkunden. Ihr denkt jetzt bestimmt: In China? Ist das nicht total überfüllt. Jahaa, aber an einem Wochentags abends sollte es doch gehen. Dachte ich…
Es handelt sich jedenfalls um den Dinosaur Park. Ich hab sogar in Shanghai Werbung dafür gesehen. Als wir ankamen wurden wir von einer heiteren Themenmusik und künstlichen Felskluften empfangen. Nach kurzem Schlange stehen konnte es auch schon losgehen. Entlang der Parkwege erhoben sich mächtige lebensgroße Dinosaurierfiguren. Wäre sogar recht ansehnlich gewesen, wenn sie nicht mit blinkend bunten neonlichterketten verziert gewesen wären… Derartige Geschmacksverirrungen und Kitschigkeiten zogen sich durch den gesamten Park. Dazu kamen teils unfertige Attraktionen und Achterbahnen, die im Nichts endeten. Und wieder diese heitere Musik…
Als es dann dämmerte, verwandelte sich der Park vollends in eine surreale Lichterwelt des schlechten Geschmacks. Z.B. standen dort Kunstpalmen (In einem Klima, in dem Palmen prächtig wachsen), ein perfekter Rasen, der dem Teletubby Land Konkurenz machte und Parraden, die direkt aus den wildesten LSD Fantasien zu marschieren schienen. Erwähnte ich den Themesong (vergleichbar mit einem Kinderlied), der einen überall begleitet? Er wird wirklich überall gespielt, dauert etwa 5 Minuten und wiederholt sich dann.
Trotz den vielen Blickfängen musste ich auch hier mal wieder als Fotomotiv für einige Lokaltouristen herhalten. Es gab sogar ein paar spannende Fahrgeschäfte, die unter einer Stunde Wartezeit jedoch nicht zu benutzen waren. So aßen und guckten wir unseren Weg durch den Park. Langsam nagte dieses… schöne Lied an meinem Verstand. Nach zwei Stunden war ich daher nicht allzu traurig, dass ein Feuerwerk das Ende der Öffnungszeiten verkündete. Natürlich habe ich auch einige Fotos geschossen:
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An einem anderen Abend habe ich mal wieder eine neue Bar ausprobiert. Zum Glück erwischten wir eine ohne aufdringliche Damengesellschaft. Hier fühlte ich mich zu Haus: lange dunkle Holztresen, Barhocker, Billard und Kicker begleitet von ACDC & Co. Eigentlich wollten wir noch weitere Bars ausprobieren, versackten dort dann aber beim Billardspielen. Irgendwann ging ich zum Kicker über und forderte ein paar junge Chinesen heraus. Ich hatte natürlich vorher ein, zwei Blicke rübergeworfen, ob ich denn da mithalten könnte. Wie sich herausstellte, bin ich hier in China der absolute Kickergott. Wer mal gegen mich gespielt hat, kann sich vorstellen wie schlecht die Chinesen gewesen sein müssen. Nunja, ich weis jetzt, wie sich Caro und Jo immer fühlen, wenn sie gegen uns Normalsterbliche spielen…

Am Sonntag begab ich mich dann wie angekündigt auf die große Reise zum Yangtse River. Google sagte etwas von 20km. Google sagte aber nicht, dass es sich bei 35 °C und abgasverseuchter Luft wie 50km anfühlt. Dazu machte ich einige Umwege, um den Hauptstraßen zu entgehen. Aber von vorn:
Ich war vorbereitet. Gepackt waren ein Regencape (es donnerte schon den ganzen Vormittag), ein kleiner Satz Werkzeug (ich traue chinesischen Fahrrädern nicht… mehr), 2 Liter Wasser bzw. Pespi, Kamera, und die entsprechende Googlemap aufm Ipod. Je weiter ich vom Stadtzentrum wegradelte, desto ärmer und provisorischer wurden die Behausungen. Dazu wird jeder kleine Streifen Grün mit diversen Gemüsen bepflanzt. Ich hab lange darüber nachgedacht, wie ich dieses „Stadtbild“ am besten beschreibe. Ein sehr guter, wenn auch merkwürdiger Vergleich ist Tschernobyl. Lasst mich erklären. Wir alle kennen die Bilder aus dem Fernsehen, wenn Reporter viele Jahre nach dem Vorfall durch das Dorf ziehen und Überbleibsel der Zivilisation filmen, die nach und nach von der Natur zurückerobert werden. Genau dieses Bild passt auf die Gebiete rund um die Stadt. Es ist, als wäre hier einst voller Eifer etwas neues tolles aufgebaut worden und dann einfach brach liegen gelassen worden. Es leben zwar Menschen dort, aber die Gebäude und Verkehrsanlagen zeugen nicht gerade davon. An vielen Stellen wurde der Bau auch nicht vollendet. So enden Straßen, Kantsteine, Wände und Dächer im Nichts ohne ein Zeichen, dass in den letzten Monaten daran gearbeitet wurde, noch das dies irgendwann nochmal passieren wird. Vielleicht kommt es auf den Fotos rüber:
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Je näher ich dem Fluss kam, desto mehr Industrie fand sich. Auch wenn sie nicht immer zu sehen war, so konnte ich sie immer riechen, schmecken und irgendwann auch in Form von Kopfschmerzen und Übelkeit fühlen. Die Luft wurde so schlecht und unerträglich, dass ich überlegte umzukehren. Es kostete mich körperliche Überwindung weiterzufahren. Es waren schließlich nur noch 3 km. Hier wohnte niemand mehr. Mir taten die Unglücklichen Leid, die hier arbeiteten.
Ein hoffentlich prachtvoller Blick auf den Fluss sollte mich für meine Strapazen entschädigen. Ich kam am Fähranleger an. Eine riesige Enttäuschung. Der betonierte Anleger, die verseuchte Luft und der Fluss unterschieden sich nur in Nuancen in ihren Grautönen. Naja, man muss es nehmen wie es kommt. Ich suchte mir einen einsamen Fleck, lies die Füße überm Wasser baumeln und versuchte mit einer Pepsi meine Übelkeit herunter zu spülen. Dies gelang sogar teilweise. Ich verbrachte dort einige Zeit und beobachtete das kommen und gehen der Fähren. Dort entstanden diese Fotos.
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Anschließend machte ich mich auf den Heimweg. Ich nahm eine alternative Route entlang eines Kanals, von dem ich wusste, dass er (hoffentlich) durch die Stadt fließt. Die Abendsonne verwandelte den grauen Himmel in ein Rosarot und so hatte ich auf dem Rückweg doch noch ein paar schöne Ausblicke.
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In der Nacht ließen mich Bauchkrämpfe nicht schlafen. Könnte am Essen gelegen haben, aber ich werd das Gefühl nicht los, dass es die Industrieabgase waren…
Verkehrsregel der Woche: Nachts ohne Licht freihändig Roller fahren und dabei SMS schreiben geht schonmal in Ordnung…
Unfallcounter: 7
Jetzt hab ich die Krötenstory ganz vergessen. Mist. Die wird nächste Woche nachgeliefert!
Machts gut!

Eingestellt von JonInAsia 07:50 Archiviert in China

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