Reise blog von Travellerspoint

Mang Niu

Die Bestie

sunny 37 °C

Nach kleiner Pause melde ich mich zurück aus China. Hier hat sich so etwas wie Alltag für mich eingestellt, weswegen ich länger nichts geschrieben habe. (Naja eigentlich war ich zu faul…).
Wie dem auch sei, ich möchte aus aktuellem Anlass mit einer Beschwerde beginnen. Heute Morgen um 5.40 Uhr, wohlbemerkt ein Sonntag, riss mich ein unglaublicher Knall aus dem Schlaf. Was war passiert? Nach Gewitter klang es nicht. Waren die Mongolen wieder einmal über die Mauer gekommen und fielen in die Stadt ein? Noch im Halbschlaf erfolgte die zweite Explosion. Ich spürte sie am Bettgestell. Ihr folgten das Tatüü und Uiuiui zahlreicher Auto und Rolleralarmanlagen. Langsam begriff ich: Es war mal wieder ein Feuerwerk. Es ist nicht so, dass ich mich nicht schon daran gewöhnt habe. Sowas bekomme ich hier mindestens vier mal am Tag mit (letzten Sonntag sieben mal noch vor elf Uhr morgens). Doch so laut habe ich es bisher noch nicht erlebt. Und was wird bitte Sonntag morgen um 5.40 Uhr gefeiert? Unverschämtheit.
Und wo wir gerade bei Beschwerden sind, mache ich doch gleich weiter. Letztes Wochenende habe ich mir endlich ein Fahrrad gekauft. Das billigste, was der örtliche Supermarkt zu bieten hatte (etwa 20 Euro). Ich gab dem Verkäufer zu verstehen, was ich möchte. Dieser fragte mindestens fünf mal nach, ob ich wirklich dieses Fahrrad kaufen will. Dabei kam ihm dann und wann ein süffisantes Lächeln über die Lippen… Na gut, immerhin handelte es sich um ein Damenrad, doch das war mir schnuppe. Es sollte ja nur drei Monate halten. Ich dachte mir nichts weiter dabei. Kaum verlies ich den Laden mit meiner neuen Errungenschaft, da fing es an zu regnen. Ich hatte aber vorrausschauenderweise auch ein Regencape gekauft und so beschloss ich voller Euphorie trotz Regen die Stadt zu erkunden. Nach etwa zwei Kilometern fing mein Lenker an sich zu verbiegen. Offensichtlich war er nicht fest genug drangeschraubt. Mit etwas Vorsicht konnte ich jedoch noch weiterfahren. Nach weiteren zwei Kilometern brach die linke Pedale ab. Einfach so. Erwähnte ich, dass es immer stärker regnete und stürmte? Nun ja, dies beendete meine kleine Spritztour. Etwas ratlos in einem mir unbekannten Stadtteil überlegte ich, was zu tun sei.
Möglichkeit 1: Das Rad vier Kilometer zurück schieben und versuchen ein kaputtes, verdrecktes, nasses Produkt in einem Laden zurückzugeben, von dem ich nicht wusste, ob es sowas wie ein Rückgaberecht gibt und in dem niemand die englische Sprache spricht..
Möglichkeit 2: Mit dem Taxi nach Hause ins Trockene fahren.
Ich habe das Fahrrad nie wieder gesehen. Ich habe dennoch beschlossen, etwas mehr Geld zu investieren und mir nochmal ein vernünftiges Fahrrad zu kaufen.
Nun zu heiteren Dingen: Ich lerne die Stadt hier immer besser kennen und finde immer wieder schöne Orte. Es gibt hier viele Kanäle. Einer davon ist recht groß und führt geradewegs nach Shanghai. Ich beschloss diesem einen Tag lang zu folgen. An seinen Ufern gab es viele interessante Wohngegenden, Hütten, Häuser und Menschen. Außerdem traf ich auf Mang Niu, aber dazu später mehr…
Hier erstmal ein paar Eindrücke rund um den Kanal:
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Nach einigen Stunden traf ich auf eine Gabelung des Kanals. Inmitten dieser befanden sich zwei Inseln, die durch Brücken mit dem „Festland“ verbunden waren. Dort befanden sich Garten und Tempelanlagen und so etwas wie ursprüngliche Natur, welche ich hier bisher vergebens suchte.
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Ich machte mich daran, die Inseln zu erkunden. Wie ich dort so am Wasser entlanglief, fing eine Bewegung meinen Blick. Dort zappelte etwas im Wasser. Es war ein riesiges Insekt (Wie ich später erfuhr, nennt man es hier Mang Niu). Offensichtlich kam es nicht aus eigener Kraft aus dem Wasser. Als es in meine Reichweite trieb, fischte ich es mit einem Stock heraus. So etwas hatte ich noch nicht in der Natur gesehen. Ohne Fühler war es etwa so lang wie mein kleiner Finger, mit etwa zweimal so lang. Ich lies das Ungetüm am Ufer nieder und beobachtete es eine Weile. Als ich schließlich weiterging, beäugte ich meine Umgebung doppelt so gründlich…
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Was gibt es noch zu berichten? Ich habe auf der Arbeit mit so einigen Sprachbarrieren zu kämpfen. Wenn mir die Sekretärin ein paar Emails über Probleme auf der Baustelle übersetzt (chinesisch ->englisch), kann schon mal sowas dabei herauskommen:
Die Arbeiter, die oben auf den Gerüsten arbeiten, haben ihre „seat belts“ nicht angeschnallt…
Oder auch das rätselhafte „phenomenon of falling objects occured sometimes“,
Ich schätze, sowas passiert, wenn man sich bei Sprachen nur auf das Internet verlässt.
Ach ja, am Freitag war Geburtstag der allseits beliebten Zhōngguó Gòngchǎndǎng, der kommunistischen Partei Chinas. Ich war natürlich vorbereitet: Mit einem Fähnchen in der Hand und einem Lied auf den Lippen trat ich morgens vor die Tür und… Nichts! Niemand sonst schien sich hier dafür zu interessieren. Im Fernsehen dagegen sangen und tanzten sie den ganzen Tag… Merkwürdig. Könnte es etwa sein, dass doch nicht alle Chinesen die Partei von Herzen lieben?
Verkehrsregel der Woche: Wenn dein Vehikel komplett zum Stillstand kommt, gilt das als persönliche Schande. Daher muss dies um jeden Preis verhindert werden. Dazu ist auch rechts überholen, fahren auf Radwegen oder überqueren von Kreuzungen bei rot erlaubt.
Unfallcounter: 5 (Yeah, 2 Wochen keinen Unfall gesehen!)
Hier möchte ich mich für diese Woche verabschieden. Nächstes mal gibt’s nützliche Tipps für die Wolfsjagd in der Mongolei und die wahnwitzige Geschichte über die Kröten im Supermarkt.

Eingestellt von JonInAsia 21:51 Archiviert in China

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Kommentare

Das sind echt dolle Fotos! Und schön, dass du immer beweist, dass du auch da warst :) Viel Glück beim nächsten Fahrradkauf und immer eine Handbreit Luft zwischen dir und anderen Verhikeln!

von uttiannie

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