Reise blog von Travellerspoint

Das Ende

Und die Kröten im Supermarkt

overcast 22 °C

Hallo ein letztes mal. Am 28. September werde ich nach Bangkok fliegen und ich kann nicht versprechen, dass Verena und ich den Blog fortführen. Daher kommt hier mein letzter Beitrag mit einem Fazit über vier Monate China.
Aber zuerst über meine letzten Tage. Sie sind sehr entspannt und schön. Ich habe vor kurzem zum Essen eingeladen meines Abschieds wegen. Mir wurde nahegelegt, dass ich ein gewisses traditionelles Gericht ausprobieren sollte. Daher lud ich in ein entsprechendes Restaurant ein. Auf mich wirkt dieses Gericht wie ein überdimensionales Fondue. In Tischmitte ist ein immerfort kochender großer Topf eingelassen. In diesen schmeißt man nun nach Lust und Laune Fisch und Fleisch hinein. Dann geht es ans angeln mit den Stäbchen. Nach 4 Monaten Training konnte ich sogar mithalten. Unter anderem gab es auch Rindermagen… Irgendwie nicht schön der Gedanke, dass mein Magen einen Artgenossen verdaut. Dann gab es noch etwas, dass ich „Fischpasta“ getauft hab. Hat nichts mit Nudeln zu tun, vielmehr mit Zahnpasta… Eine undefinierbare Masse an Meeresfrüchten aufs feinste zermust. Niemand wusste genau, was drin ist… Hat fischig geschmeckt. War ein toller Abend!
Dann ging es mal wieder in eine neue Bar. Erwähnenswert deshalb, da sie ein wirklich ungewöhnliches Interieur besaß. In komplett und gelbe und orangene warme Lichter getaucht, bestand sie im Wesentlichen aus einem großen Raum. Die Decke war überladen mit großen kupfernen Kronleuchtern und Laternen. Massive Kupferrohre wanden sich durch den Raum, urig wirkende Mechanismen ohne wirklichen Sinn prangten an den Wänden. Als heimlicher Steampunk Fan war ich sofort begeistert. Getrübt wurde das Gesamtbild nur von dröhnender Popmusik und flimmernden Flachbildschirmen. Ich zog mich mit meinen Kollegen an einen Tisch zurück und die Trinkspiele begannen. Als Snack gab es Entenzungen. Die Bar füllte sich zum brechen. Alle Besucher waren ausschließlich Chinesen. Fremde Leute kamen zu mir an den Tisch um anzustoßen, riefen „ganbei“ und leerten ihr Glas… Und ich natürlich mit. Zu später Stunde fingen leichtbekleidete Damen im Schulmädchen- und Leoparden Look an auf den Tischen zu tanzen. Außerdem wurden sie jedem Tisch mit männlichen Beisitzern vorgeführt, als „spezielles Angebot“… Da es ein Sonntag war, verabschiedeten wir uns relativ früh.
Ansonsten war ich viel mit Packen, Putzen und Planen beschäftigt. Wenn ich China verlasse, dann mit gemischten Gefühlen. Dinge, die ich nicht vermissen werde sind:
- Der Verkehr… ich habe durchschnittlich vier mal am Tag den Drang einem chinesischen Verkehrsteilnehmer Gewalt anzutun…
- Feuerwerk… Nach vier Monaten zucke ich immer noch zusammen, mache mir aber nicht mehr die Mühe hinzusehen. Danke China! Du hast mir Feuerwerk verdorben!
- Den trüben Himmel… Ganz ehrlich, die Tage an denen blauer Himmel war, kann ich an zwei Händen abzählen.
- Das ständige Glotzen… Juhu, ich stehe im Mittelpunkt, immer, ständig, bei jedem Schritt, bei jedem Einkauf, bei jedem Essen, bei… Oh man ich will mal wieder anonym sein!
- Das Spucken, Rotzen, Brüllen… erklärt sich von selbst, oder?
- Alarmanlagen… UIUIUIUIU, UUIIP UUIIP, DIIDUU DIIDUU, MEEEEP MEEEEP MEEEEP. Und das IMMER UND ÜBERALL! http://www.youtube.com/watch?v=AkNV4wM9-b0
- Alleine wohnen… Ist jetzt nicht chinaspezifisch aber mit Merle und Juliane ists doch schöner 

Was ich sehr wohl vermissen werde ist:
- Kinder zum Lachen bringen… Ohne irgendwas tun zu müssen reicht meine bloße Anwesenheit aus, um den kleinen hier große Augen und ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ich war quasi vier Monate lang der Weihnachtsmann!
- Billig… Man bekommt hier alles soo billig. Vor allem habe ich mich in den halblegalen DVD Läden ausgetobt. Ein Traum. Schade, dass ich die hier lassen muss.
- Gutes Aussehen… Jaja, vielleicht ist mein Ego etwas zu groß geworden hier. In China reicht schon eine große Nase, um als sehr gutaussehend zu gelten. Da kann man noch so müde, unrasiert und runtergekommen aussehen… Außerdem gilt Blässe hier als schick. Kommt mir sehr gelegen ;)
- Zum leisen Summen der Betonrüttler einzuschlafen… Hachja, wenn die Kräne ihr Ballet aufführen und das leise Wummern der Presslufthämmer beginnt, dann fühl ich mich wohl. Wenn ich recht drüber nachdenke, gehört dieser Punkt vielleicht doch in die andere Liste.
- Das Abenteuer vor der Tür… Die Möglichkeit zu haben jeden Tag etwas neues Unbekanntes zu entdecken ist unbezahlbar.
- Die Leute… Damit meine ich die Menschen, die ich hier kennengelernt hab. Realistischerweise sehe ich sie nie wieder.

Viele Fotos habe ich heute nicht für euch. Aber auf Wunsch seht ihr hier einmal mein Apartment:
CIMG0001.jpgCIMG0022.jpgCIMG0023.jpgCIMG0025.jpg
Und der Ausblick:
CIMG0004.jpg
Und natürlich möchte ich euch nicht ohne die Krötenstory gehen lassen. Ich habe letztes mal aber nicht ganz die Unwahrheit gesagt. So spannend ist sie wirklich nicht.
Als ich in der ersten Woche hier den örtlichen Supermarkt betrat, ahnte ich nichts Böses. Ich suchte nach einem Frühstück. Gar nicht so leicht in einem Land ohne vernünftiges Brot und Müsli. Ich schlenderte an den Regalen voller Sojapulver und Nudelgerichte vorbei, als sich der Geruch in der Luft änderte. Auch wurde es lauter, je näher ich dem Ende des Raumes kam. Hier stapelten sich Aquarien und Terrarien, wenn man es so nennen will. Eigentlich waren es nur Glaskästen vollgestopft mit allen möglichen Arten von lebenden, sich windenden und stinkenden (!) Tieren. Neben den für uns vielleicht noch üblichen Fischen, Garnelen, Aalen und Krabben fand ich leider auch Schildkröten Schlangen und Kröten. Ich spielte kurz mit dem Gedanken ein paar Schildkröten zu kaufen und sie freizulassen. Doch wohin in diesem großen lauten Betonmoloch von Stadt mit ihren giftigen Abgasen und verseuchten Kanälen? Das ist auch schon die ganze Geschichte.
CIMG0009.jpg
Ich habe in vier Monaten 15 Unfälle gesehen. Das ist mehr als in Deutschland in vier Jahren. Ich selbst habe überlebt. Keine Selbstverständlichkeit. Inzwischen gehe ich wie die Chinesen bei rot über die Fahrbahn, benutze falsche Seiten, falsche Spuren und passe mich dem Fluss an. Zumindest in dieser Hinsicht habe ich mich voll in die Kultur integriert!
Vielen Dank fürs lesen und die vielen Rückmeldungen! Ich hoffe, wir sehen uns bald!
Zaijian!

Eingestellt von JonInAsia 00:28 Archiviert in China

Versende diesen EintragFacebookStumbleUpon

Inhalt

Schreibe als Erster einen Kommentar dazu.

Sie müssen angemeldet Mitglied der Travellerspoint um Kommentare diesem Blog.

Enter your Travellerspoint login details below

( What's this? )

Wenn Sie noch nicht Mitglied sind von Travellerspoint, werden Sie Mitglied kostenlos.

Join Travellerspoint