Reise blog von Travellerspoint

Schöne Trips

Und fiese Nadeln

rain 25 °C

Hallo liebe Leserschaft. Drei Monate bin ich nun hier und einmalige Erlebnisse wechseln sich mit kleineren Katastrophen ab. Gerade jüngst verdarb mir eine Aneinanderreihung unglücklicher Ereignisse meinen Sonntag. Aber dazu später mehr.
Zuerst zu den schönen Dingen des Lebens. Vor drei Wochen machte ich mit einer Freundin einen Ausflug in die alten Viertel von Changzhou. In diesem Fall gab es Ausnahmsweise keine geschwungenen Dächer, Pagoden und Pavillons zu sehen. Hier heist „alt“ einfach nur alt. Die winzigen aneinandergequetschten Häuschen und Wohnungen hatten aber auch einen ganz eigenen Charme. Einige Mauern waren gesäumt von scharfen Glasscherben, eine altbewährte Art Einbrecher abzuwehren. Das Funkeln der brechenden Lichtstrahlen lies die Frage, was Diebe in dieser Gegend schon stehlen könnten, in den Hintergrund treten. Weiße Wände, Hühner, Katzen, alte Menschen mit mehr Falten im Gesicht als Haaren auf dem Kopf und spielende Kinder in den Labyrinth artigen schmalen Gassen ergaben eine tolle Atmosphäre. Leider vergas ich die Kamera aufzuladen, daher nur wenige Bilder.
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Ein anderer Ausflug ging zu einer Nachbaut einer alten Stadtanlage. Diese bestand im Wesentlichen aus einem Großen Wasserring, der einen kleineren Wasserring enthält, der einen kleineren Wasserring enthält… Verstanden? Ich auch nicht. Deswegen hier ein Foto aus dem Internet.
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Zu meiner Überraschung befanden sich auf dieser Anlage nur wenige Gebäude. Um genau zu sein gab es nur zwei billige Nachbauten von Wachtürmen und eine Handvoll traditioneller Häuser. Ansonsten gab es dort nur leidlich gepflegte Gartenanlagen. Als Höhepunkt jedoch sollte es in der Mitte einen Bamboo Well geben. Wir machten uns (zu sechst) auf, jeden der Ringe abzulaufen. Es erwies sich alles als recht unspektakulär. Bemerkenswert war jedoch, dass Chinesen es selbst auf großen stillen Gewässern schaffen, mit langsamen Flößen Unfälle zu bauen. Im zweiten Ring war ein ganzer Wald an Lotusblumen, die wild die Wasserfläche überwucherten. In der Hitze ergab es einen ungeheuer intensiven Geruch, der weder gut noch schlecht ist, man ihn aber irgendwie gerne riecht… Verstanden? Wieder nicht? Kanns aber nicht besser erklären.
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OWNED!
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Dann kamen wir zum Mittelpunkt der Anlage. In meinem Kopf begann ein Trommelwirbel. Vor meinem inneren Auge formte sich ein grüner Bambuswald, in dessen Mitte eine malerische kleine Oase versteckt ist. Und während ich noch tagträumte, stand ich plötzlich auf einer Wiese an einem mickrigen, halbverfallenen Brunnen, dessen Wände mit Bambus ausgekleidet waren. Zwei PET Flaschen schwammen in der trüben Suppe. Vermutlich reingeschmissen von ebenfalls enttäuschten Besuchern. Ich hatte gute Lust es ihnen gleichzutun, besann mich dann aber auf meine gute Erziehung. Auf dem Rückweg hielten wir noch an einem Stadtteil mit traditionellen Gebäuden, welche viel bessere Fotomotive abgaben:
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Nun, wie angekündigt, zu den Schattenseiten des Lebens. Ich weis, als Deutscher stehe ich unter Generalverdacht über alles und jeden grundlos zu jammern. Urteilt selbst:
Es begann am Mittwoch auf der Arbeit. Ich wurde krank, Fieber, Magenschmerzen inklusive. Naja kann mal passieren. Donnerstag zu Haus geblieben, ausgeruht. Freitag zu Haus geblieben, Anruf vom Chef, ich soll ins Krankenhaus. Dazu muss ich sagen, ich war nicht schwer krank. Halt normal krank. Mein Chef hielt es für angebracht, mich zum Arzt zu schicken. Da es hier keine westlichen Arztpraxen gibt, wie wir sie kennen, bedeutet das ab ins Krankenhaus. Ich wurde also abgeholt und zum größten Krankenhaus hier gebracht. Nach einigem Warten und kurzer Untersuchung bekam ich Medikamente und sollte eine Infusion erhalten. Das klingt jetzt dramatischer als es ist, ich glaube hier bekommt man sogar bei einer Erkältung eine Infusion verschrieben. Ich lies mich piksen und saß meine Zeit ab. Nach 5 Stunden konnte ich endlich wieder zurück in mein Bett. Am nächsten Tag musste ich noch einmal hin für eine zweite Infusion. Ich geriet an eine Schwester, die die Nadel dermaßen schlecht in meinem Handrücken platzierte, dass ich die ganze Zeit Schmerzen hatte. Es dauert immerhin 2,5 Stunden bis so ein Liter in einen reingetröpfelt ist. Irgendwann bemerkte ich eine wachsende Blase auf meiner Hand. Ging das mit rechten Dingen zu? Ich wedelte eine Krankenschwester zu mir rüber und zeigte meine mittlerweile stattliche Balonhand. Ich weis nicht genau, was dann geschah. Sie rief aus irgendeinen Grund alle Krankenschwestern zu mir. Ich vermute, ich war ein Musterbeispiel dafür, wie man eine Infusion falsch legt. Sie vertieften sich in ein Gespräch und fingen an zu kichern. Meine Hand lechzte nach Aufmerksamkeit. Ich warf ihnen einen Blick zu, der freundlich, jedoch bestimmt, ausdrücken sollte, dass sie endlich DIE VERDAMMTE NADEL AUS DEM KLUMPEN ZIEHEN SOLLEN, DER EINMAL MEINE HAND WAR! Endlich taten sie mir den Gefallen, wollten sie aber gleich wieder reinstecken. Ich lehnte dankend ab und floh aus dem Saal. Mir war eh nicht klar, wie sie da noch eine Vene finden wollten…
Eine Stunde suchte ich ein Taxi. Ich kam zu Hause an und musste feststellen, dass der Schlüssel für die Haustür an der Straße von meinem Apartment nicht mehr passte (wie ich erst 2 Tage später herausfinden sollte, wurde das Schloss ausgetauscht und eine chinesische Nachricht an die Tür gehängt). Irgendwann lies mich dann ein Nachbar rein. Dann endlich Bett. Ich weis jetzt, was „Ich wohne hier, bitte Tür öffnen“ auf Chinesisch heist.
Am nächsten Tag (Sonntag) ging es mir dann etwas besser. Ich beschloss eine kleine Radtour durch die Stadt zu machen. Nach etwa 5km brach mir (schon wieder!!) eine Pedale ab. *seufz. 45 Minuten nach Haus geschoben dann Bett. Am nächsten Tag fiel das Wasser in meinem Apartment aus inklusive Dusche und WC. Außerdem fand ich noch eine Kakerlake im Wohnzimmer.
Résumé heute: Bin wieder gesund, Wasser läuft, Schlüssel habe ich noch nicht, Operation „Cockroach extinction“ ist angelaufen, ich hasse Krankenhäuser.
Ich versichere euch, es gibt eine Reihe wirklich guter Gründe, die ich hier nicht nennen kann und möchte, um die Krötenstory aufs nächste mal zu verschieben.

Verkehrsregel der Woche: Traut keinen gottverdammten chinesischen Fahrrädern!
Unfallcounter: 13

Eingestellt von JonInAsia 01:52 Archiviert in China

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