Reise blog von Travellerspoint

Das Ende

Und die Kröten im Supermarkt

overcast 22 °C

Hallo ein letztes mal. Am 28. September werde ich nach Bangkok fliegen und ich kann nicht versprechen, dass Verena und ich den Blog fortführen. Daher kommt hier mein letzter Beitrag mit einem Fazit über vier Monate China.
Aber zuerst über meine letzten Tage. Sie sind sehr entspannt und schön. Ich habe vor kurzem zum Essen eingeladen meines Abschieds wegen. Mir wurde nahegelegt, dass ich ein gewisses traditionelles Gericht ausprobieren sollte. Daher lud ich in ein entsprechendes Restaurant ein. Auf mich wirkt dieses Gericht wie ein überdimensionales Fondue. In Tischmitte ist ein immerfort kochender großer Topf eingelassen. In diesen schmeißt man nun nach Lust und Laune Fisch und Fleisch hinein. Dann geht es ans angeln mit den Stäbchen. Nach 4 Monaten Training konnte ich sogar mithalten. Unter anderem gab es auch Rindermagen… Irgendwie nicht schön der Gedanke, dass mein Magen einen Artgenossen verdaut. Dann gab es noch etwas, dass ich „Fischpasta“ getauft hab. Hat nichts mit Nudeln zu tun, vielmehr mit Zahnpasta… Eine undefinierbare Masse an Meeresfrüchten aufs feinste zermust. Niemand wusste genau, was drin ist… Hat fischig geschmeckt. War ein toller Abend!
Dann ging es mal wieder in eine neue Bar. Erwähnenswert deshalb, da sie ein wirklich ungewöhnliches Interieur besaß. In komplett und gelbe und orangene warme Lichter getaucht, bestand sie im Wesentlichen aus einem großen Raum. Die Decke war überladen mit großen kupfernen Kronleuchtern und Laternen. Massive Kupferrohre wanden sich durch den Raum, urig wirkende Mechanismen ohne wirklichen Sinn prangten an den Wänden. Als heimlicher Steampunk Fan war ich sofort begeistert. Getrübt wurde das Gesamtbild nur von dröhnender Popmusik und flimmernden Flachbildschirmen. Ich zog mich mit meinen Kollegen an einen Tisch zurück und die Trinkspiele begannen. Als Snack gab es Entenzungen. Die Bar füllte sich zum brechen. Alle Besucher waren ausschließlich Chinesen. Fremde Leute kamen zu mir an den Tisch um anzustoßen, riefen „ganbei“ und leerten ihr Glas… Und ich natürlich mit. Zu später Stunde fingen leichtbekleidete Damen im Schulmädchen- und Leoparden Look an auf den Tischen zu tanzen. Außerdem wurden sie jedem Tisch mit männlichen Beisitzern vorgeführt, als „spezielles Angebot“… Da es ein Sonntag war, verabschiedeten wir uns relativ früh.
Ansonsten war ich viel mit Packen, Putzen und Planen beschäftigt. Wenn ich China verlasse, dann mit gemischten Gefühlen. Dinge, die ich nicht vermissen werde sind:
- Der Verkehr… ich habe durchschnittlich vier mal am Tag den Drang einem chinesischen Verkehrsteilnehmer Gewalt anzutun…
- Feuerwerk… Nach vier Monaten zucke ich immer noch zusammen, mache mir aber nicht mehr die Mühe hinzusehen. Danke China! Du hast mir Feuerwerk verdorben!
- Den trüben Himmel… Ganz ehrlich, die Tage an denen blauer Himmel war, kann ich an zwei Händen abzählen.
- Das ständige Glotzen… Juhu, ich stehe im Mittelpunkt, immer, ständig, bei jedem Schritt, bei jedem Einkauf, bei jedem Essen, bei… Oh man ich will mal wieder anonym sein!
- Das Spucken, Rotzen, Brüllen… erklärt sich von selbst, oder?
- Alarmanlagen… UIUIUIUIU, UUIIP UUIIP, DIIDUU DIIDUU, MEEEEP MEEEEP MEEEEP. Und das IMMER UND ÜBERALL! http://www.youtube.com/watch?v=AkNV4wM9-b0
- Alleine wohnen… Ist jetzt nicht chinaspezifisch aber mit Merle und Juliane ists doch schöner 

Was ich sehr wohl vermissen werde ist:
- Kinder zum Lachen bringen… Ohne irgendwas tun zu müssen reicht meine bloße Anwesenheit aus, um den kleinen hier große Augen und ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ich war quasi vier Monate lang der Weihnachtsmann!
- Billig… Man bekommt hier alles soo billig. Vor allem habe ich mich in den halblegalen DVD Läden ausgetobt. Ein Traum. Schade, dass ich die hier lassen muss.
- Gutes Aussehen… Jaja, vielleicht ist mein Ego etwas zu groß geworden hier. In China reicht schon eine große Nase, um als sehr gutaussehend zu gelten. Da kann man noch so müde, unrasiert und runtergekommen aussehen… Außerdem gilt Blässe hier als schick. Kommt mir sehr gelegen ;)
- Zum leisen Summen der Betonrüttler einzuschlafen… Hachja, wenn die Kräne ihr Ballet aufführen und das leise Wummern der Presslufthämmer beginnt, dann fühl ich mich wohl. Wenn ich recht drüber nachdenke, gehört dieser Punkt vielleicht doch in die andere Liste.
- Das Abenteuer vor der Tür… Die Möglichkeit zu haben jeden Tag etwas neues Unbekanntes zu entdecken ist unbezahlbar.
- Die Leute… Damit meine ich die Menschen, die ich hier kennengelernt hab. Realistischerweise sehe ich sie nie wieder.

Viele Fotos habe ich heute nicht für euch. Aber auf Wunsch seht ihr hier einmal mein Apartment:
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Und der Ausblick:
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Und natürlich möchte ich euch nicht ohne die Krötenstory gehen lassen. Ich habe letztes mal aber nicht ganz die Unwahrheit gesagt. So spannend ist sie wirklich nicht.
Als ich in der ersten Woche hier den örtlichen Supermarkt betrat, ahnte ich nichts Böses. Ich suchte nach einem Frühstück. Gar nicht so leicht in einem Land ohne vernünftiges Brot und Müsli. Ich schlenderte an den Regalen voller Sojapulver und Nudelgerichte vorbei, als sich der Geruch in der Luft änderte. Auch wurde es lauter, je näher ich dem Ende des Raumes kam. Hier stapelten sich Aquarien und Terrarien, wenn man es so nennen will. Eigentlich waren es nur Glaskästen vollgestopft mit allen möglichen Arten von lebenden, sich windenden und stinkenden (!) Tieren. Neben den für uns vielleicht noch üblichen Fischen, Garnelen, Aalen und Krabben fand ich leider auch Schildkröten Schlangen und Kröten. Ich spielte kurz mit dem Gedanken ein paar Schildkröten zu kaufen und sie freizulassen. Doch wohin in diesem großen lauten Betonmoloch von Stadt mit ihren giftigen Abgasen und verseuchten Kanälen? Das ist auch schon die ganze Geschichte.
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Ich habe in vier Monaten 15 Unfälle gesehen. Das ist mehr als in Deutschland in vier Jahren. Ich selbst habe überlebt. Keine Selbstverständlichkeit. Inzwischen gehe ich wie die Chinesen bei rot über die Fahrbahn, benutze falsche Seiten, falsche Spuren und passe mich dem Fluss an. Zumindest in dieser Hinsicht habe ich mich voll in die Kultur integriert!
Vielen Dank fürs lesen und die vielen Rückmeldungen! Ich hoffe, wir sehen uns bald!
Zaijian!

Eingestellt von JonInAsia 00:28 Archiviert in China Kommentare (0)

Demokratie!

Und ihr Scheitern...

semi-overcast -27 °C

Hier bin ich wieder mit einer kurzen Rückmeldung. Dies wird wohl mein vorletzter Beitrag aus China. Ja, was ist passiert die letzten Tage? Ich war in Nanjing. Die Stadt hat satte 7 Millionen Einwohner und gehört zu den ältesten Städten Südchinas. Das muss einen Trip wert sein! Dank Speedtrain (300km/h) waren ich und zwei Arbeitskollegen in nur einer Stunde dort. Ein wenig möchte ich ja auch ein Stück Deutschland, ein Stück Europa nach China bringen. Also führte ich in unserer Dreiergruppe kurzerhand die Demokratie ein! Das Prinzip war schnell erklärt, der Tagesablauf sollte jeweils zur Abstimmung gestellt werden. Und schon das erste Eigentor: 2:1 wurde entschieden, dass wir uns alte Regierungsgebäude ansehen… Für mich waren das ein paar nette Gartenanlagen und etwas sehr gestellt wirkende Bilder und Relikte alter Parteimitglieder… Mich sprach es nicht wirklich an, aber meinen Begleitern gefiel es wohl sehr gut.
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Danach ging es einstimmig zum Konfuziustempel. Dahinter verbirgt ein Labyrinth artiges wuseliges Shoppingviertel für alle Arten von Souvenirs, Snacks, Tieren, Handwerk und Kitsch. Haben sogar einen Vogel gefunden, der „ni hao“ sagen konnte! Ein Vogel also, der fast so viel Chinesisch spricht, wie ich… ganz schön deprimierend. Hier ein paar Eindrücke:
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CHUCKY!
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Als dritte Station ging es dann zum Grab von Herrn Sun. Sun Yatsen gilt als Gründer des modernen Chinas und dementsprechend gigantisch ist seine Gedenkstätte. Es ging mit dem Bus kurz vor die Stadt, wo sich so etwas wie Berge auftürmten. Immerhin 400m hoch. Der faule Chinese nimmt hier ein Taxi… und wir auch. Oben angelangt fanden wir uns am Fuß einer riesigen Treppe wieder. Natürlich wartet der gute Herr Sun am oberen Ende und hier gab es kein Taxi mehr... Nun gut, der Weg ist schließlich das Ziel. Nach gefühlten 17 Quadzillionen Stufen erreichten wir die überraschend kleine Gedenkhalle. Den Erbauen musste nach der Treppe auch die Puste ausgegangen sein. Das ganze läuft dort streng geregelt ab. Man betritt den Raum, wird auf einem Teppich einmal rund um eine Statue geleitet und bekommt entlang des Weges Anweisungen von Schildern. Das Erste verbot das Fotografieren, das Zweite verlangte Ruhe und das Letzte forderte zum Salut auf. Begeistert, so etwas auf einem Schild zu lesen, folgte ich der Anweisung und schlug meine Hand recht übermütig an die Stirn. Als einziger, wie ich beobachtete… Meine Begleiter schüttelten nur den Kopf. Das eigentliche Highlight war jedoch die Aussicht. Seht selbst.
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Als es dann darum ging, auf wessen Rücken ich den Rückweg bestreiten dürfe, fiel unsere kleine Demokratie in sich zusammen. Es fielen Sätze wie, Abstimmungen seien doof… Vielleicht sind die Chinesen doch noch nicht reif dafür.
Es folgt ein kleiner und untypischer Ausschnitt aus meiner Arbeit nur um einmal zu zeigen, in was für bizarre Situationen man hier leicht gerät. Ein Kollege von mir war krank und ich sollte an seiner Stelle dem Meeting mit dem Baumanagement und dem Bauherrn beiwohnen. Nagut, spricht ja nichts dagegen. Aufgrund falscher Informationen war ich erstmal zu spät dran. Es war nur noch ein Platz frei an einem großen Tisch mit etwa 12 Leuten. Alles Chinesen. Ich stellte mich knapp vor und nahm Platz. Angenehmes Klima ist was anderes. Auch wenn ich sonst nicht gut vorbereitet war, hatte ich wenigstens die Themenliste des Meetings vor mir. Und dann ging es auch schon los. Auf Chinesisch. Ich verstand kein Wort und es sah nicht danach aus, als würden sie irgendwann zu Englisch wechseln wollen. Mir blieben nicht viele Dinge zu tun. Ich entschied mich einen möglichst aufmerksamen und interessierten Eindruck zu erwecken. Ich sah also immer den Sprechenden an, saß gerade und nickte, wenn die anderen nickten. Aus Langeweile kritzelte ich auf meinem Themenblatt, tarnte dies als Notizen. Auch mein Nebenmann schrieb mit. Super, dachte ich, da kann ich mir mal ein paar Sachen abschreiben. Ich beugte mich unauffällig (oder was ich zumindest für unauffällig hielt) zu ihm rüber und linste auf sein Blatt. Alles chinesische Zeichen. Mist, hätte ich mir auch denken können. Die Zeit verging und mein Blick wanderte durch die Runde. Dort saß ein Junge, jünger als ich, der sich unter den Fragen wegduckte und versuchte mit seinem Laptop besonders beschäftigt auszusehen. Daneben, im Halbschlaf, ein älterer Chinese am Kettenrauchen, dessen Hemdknöpfe sichtlich Mühe hatten die ausgestreckte Wampe im Zaum zu halten. Ein weiterer Teilnehmer erfüllte einige optische Clichés über Chinesen. Seine vorderen Zähne standen weit ab, was ihn hörbar beim Sprechen beeinflusste. Auch Frauen waren da. Äußerst desinteressiert, rauchten sie mit übereinander geschlagenen Beinen um die Wette. So ging das eine Weile weiter. Ich musterte die Teilnehmer, überlegte wo sie wohl herkamen, wie sie wohl lebten. Nach zwei Stunden kam ich zu dem Schluss, dass Hasenzähnchen etwas mit der Kettenraucherin am laufen hatte. Dann war das Meeting zu Ende. Ich fragte mich, ob den anderen bewusst war, wie überflüssig meine Anwesenheit war.
Dann hab ich noch ein paar schlechte Nachrichten. Hier kurz zusammengefasst:
Die Amerikaner sind für das Zugunglück in China vor einigen Wochen verantwortlich (Sabotage). Außerdem verbreiten sie absichtlich Krankheiten unter der Bevölkerung. Einfach aus Boshaftigkeit. Die deutsche Regierung ist genauso korrupt wie die chinesische und unabhängige Medien existieren nicht. Facebook ist nur gesperrt, weil sich dort Terroristen organisieren. Die westlichen Mächte gönnen China weder Wohlstand noch Frieden. Demokratie ist mit so vielen Menschen gar nicht möglich. Die Zugehörigkeit von Taiwan und Tibet zu China stand nie zur Debatte, wer was anderes behauptet, der lügt. Jedes Land, das den Dalai Lama einlädt, wird mindestens 2 Jahre lang gehasst (Ja, auch Deutschland damals). Ach ja, und die Welt geht am 21. Dezember 2012 unter. Dies sind Meinungen, die hier ernsthaft vertreten werden. Wegen letzterer haben einige sogar angefangen schwimmen zu lernen (Falls das ganze in Form einer großen Flut geschieht). Mich macht sowas traurig…
Es ist nicht das Schlechteste, dass ich das Land bald verlasse. Habe in diesem Eintrag wahrscheinlich genug Stichworte gegeben, um nun unter Beobachtung zu stehen…
Hier sind wir auch schon wieder am Ende angelangt. Ich habe den Eindruck, durch die unglückliche Verzögerung der Krötenstory, habe ich die Erwartungen ungewollt etwas zu sehr in die Höhe getrieben. Daher behalte ich sie lieber für mich. Ihr wärt nur enttäuscht.
Unfallcounter: 15
Verkehrsregel der Woche: Das Rechtsfahrgebot ist nur so etwas wie eine Richtlinie und darf schonmal für mehrere hundert Meter ausgesetzt werden.

Eingestellt von JonInAsia 00:23 Archiviert in China Kommentare (0)

Schöne Trips

Und fiese Nadeln

rain 25 °C

Hallo liebe Leserschaft. Drei Monate bin ich nun hier und einmalige Erlebnisse wechseln sich mit kleineren Katastrophen ab. Gerade jüngst verdarb mir eine Aneinanderreihung unglücklicher Ereignisse meinen Sonntag. Aber dazu später mehr.
Zuerst zu den schönen Dingen des Lebens. Vor drei Wochen machte ich mit einer Freundin einen Ausflug in die alten Viertel von Changzhou. In diesem Fall gab es Ausnahmsweise keine geschwungenen Dächer, Pagoden und Pavillons zu sehen. Hier heist „alt“ einfach nur alt. Die winzigen aneinandergequetschten Häuschen und Wohnungen hatten aber auch einen ganz eigenen Charme. Einige Mauern waren gesäumt von scharfen Glasscherben, eine altbewährte Art Einbrecher abzuwehren. Das Funkeln der brechenden Lichtstrahlen lies die Frage, was Diebe in dieser Gegend schon stehlen könnten, in den Hintergrund treten. Weiße Wände, Hühner, Katzen, alte Menschen mit mehr Falten im Gesicht als Haaren auf dem Kopf und spielende Kinder in den Labyrinth artigen schmalen Gassen ergaben eine tolle Atmosphäre. Leider vergas ich die Kamera aufzuladen, daher nur wenige Bilder.
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Ein anderer Ausflug ging zu einer Nachbaut einer alten Stadtanlage. Diese bestand im Wesentlichen aus einem Großen Wasserring, der einen kleineren Wasserring enthält, der einen kleineren Wasserring enthält… Verstanden? Ich auch nicht. Deswegen hier ein Foto aus dem Internet.
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Zu meiner Überraschung befanden sich auf dieser Anlage nur wenige Gebäude. Um genau zu sein gab es nur zwei billige Nachbauten von Wachtürmen und eine Handvoll traditioneller Häuser. Ansonsten gab es dort nur leidlich gepflegte Gartenanlagen. Als Höhepunkt jedoch sollte es in der Mitte einen Bamboo Well geben. Wir machten uns (zu sechst) auf, jeden der Ringe abzulaufen. Es erwies sich alles als recht unspektakulär. Bemerkenswert war jedoch, dass Chinesen es selbst auf großen stillen Gewässern schaffen, mit langsamen Flößen Unfälle zu bauen. Im zweiten Ring war ein ganzer Wald an Lotusblumen, die wild die Wasserfläche überwucherten. In der Hitze ergab es einen ungeheuer intensiven Geruch, der weder gut noch schlecht ist, man ihn aber irgendwie gerne riecht… Verstanden? Wieder nicht? Kanns aber nicht besser erklären.
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OWNED!
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Dann kamen wir zum Mittelpunkt der Anlage. In meinem Kopf begann ein Trommelwirbel. Vor meinem inneren Auge formte sich ein grüner Bambuswald, in dessen Mitte eine malerische kleine Oase versteckt ist. Und während ich noch tagträumte, stand ich plötzlich auf einer Wiese an einem mickrigen, halbverfallenen Brunnen, dessen Wände mit Bambus ausgekleidet waren. Zwei PET Flaschen schwammen in der trüben Suppe. Vermutlich reingeschmissen von ebenfalls enttäuschten Besuchern. Ich hatte gute Lust es ihnen gleichzutun, besann mich dann aber auf meine gute Erziehung. Auf dem Rückweg hielten wir noch an einem Stadtteil mit traditionellen Gebäuden, welche viel bessere Fotomotive abgaben:
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Nun, wie angekündigt, zu den Schattenseiten des Lebens. Ich weis, als Deutscher stehe ich unter Generalverdacht über alles und jeden grundlos zu jammern. Urteilt selbst:
Es begann am Mittwoch auf der Arbeit. Ich wurde krank, Fieber, Magenschmerzen inklusive. Naja kann mal passieren. Donnerstag zu Haus geblieben, ausgeruht. Freitag zu Haus geblieben, Anruf vom Chef, ich soll ins Krankenhaus. Dazu muss ich sagen, ich war nicht schwer krank. Halt normal krank. Mein Chef hielt es für angebracht, mich zum Arzt zu schicken. Da es hier keine westlichen Arztpraxen gibt, wie wir sie kennen, bedeutet das ab ins Krankenhaus. Ich wurde also abgeholt und zum größten Krankenhaus hier gebracht. Nach einigem Warten und kurzer Untersuchung bekam ich Medikamente und sollte eine Infusion erhalten. Das klingt jetzt dramatischer als es ist, ich glaube hier bekommt man sogar bei einer Erkältung eine Infusion verschrieben. Ich lies mich piksen und saß meine Zeit ab. Nach 5 Stunden konnte ich endlich wieder zurück in mein Bett. Am nächsten Tag musste ich noch einmal hin für eine zweite Infusion. Ich geriet an eine Schwester, die die Nadel dermaßen schlecht in meinem Handrücken platzierte, dass ich die ganze Zeit Schmerzen hatte. Es dauert immerhin 2,5 Stunden bis so ein Liter in einen reingetröpfelt ist. Irgendwann bemerkte ich eine wachsende Blase auf meiner Hand. Ging das mit rechten Dingen zu? Ich wedelte eine Krankenschwester zu mir rüber und zeigte meine mittlerweile stattliche Balonhand. Ich weis nicht genau, was dann geschah. Sie rief aus irgendeinen Grund alle Krankenschwestern zu mir. Ich vermute, ich war ein Musterbeispiel dafür, wie man eine Infusion falsch legt. Sie vertieften sich in ein Gespräch und fingen an zu kichern. Meine Hand lechzte nach Aufmerksamkeit. Ich warf ihnen einen Blick zu, der freundlich, jedoch bestimmt, ausdrücken sollte, dass sie endlich DIE VERDAMMTE NADEL AUS DEM KLUMPEN ZIEHEN SOLLEN, DER EINMAL MEINE HAND WAR! Endlich taten sie mir den Gefallen, wollten sie aber gleich wieder reinstecken. Ich lehnte dankend ab und floh aus dem Saal. Mir war eh nicht klar, wie sie da noch eine Vene finden wollten…
Eine Stunde suchte ich ein Taxi. Ich kam zu Hause an und musste feststellen, dass der Schlüssel für die Haustür an der Straße von meinem Apartment nicht mehr passte (wie ich erst 2 Tage später herausfinden sollte, wurde das Schloss ausgetauscht und eine chinesische Nachricht an die Tür gehängt). Irgendwann lies mich dann ein Nachbar rein. Dann endlich Bett. Ich weis jetzt, was „Ich wohne hier, bitte Tür öffnen“ auf Chinesisch heist.
Am nächsten Tag (Sonntag) ging es mir dann etwas besser. Ich beschloss eine kleine Radtour durch die Stadt zu machen. Nach etwa 5km brach mir (schon wieder!!) eine Pedale ab. *seufz. 45 Minuten nach Haus geschoben dann Bett. Am nächsten Tag fiel das Wasser in meinem Apartment aus inklusive Dusche und WC. Außerdem fand ich noch eine Kakerlake im Wohnzimmer.
Résumé heute: Bin wieder gesund, Wasser läuft, Schlüssel habe ich noch nicht, Operation „Cockroach extinction“ ist angelaufen, ich hasse Krankenhäuser.
Ich versichere euch, es gibt eine Reihe wirklich guter Gründe, die ich hier nicht nennen kann und möchte, um die Krötenstory aufs nächste mal zu verschieben.

Verkehrsregel der Woche: Traut keinen gottverdammten chinesischen Fahrrädern!
Unfallcounter: 13

Eingestellt von JonInAsia 01:52 Archiviert in China Kommentare (0)

Lebenszeichen

Aus dem Wunderland

storm 30 °C

Endlich habe ich mich mal wieder motivieren können, den Blog weiter zu schreiben. T’schuldigung, dass es etwas länger gedauert hat.
Drei Monate bin ich jetzt hier und die Erlebnisse des letzten müssen nun dringend mal niedergeschrieben werden.
Zunächst einmal ein wenig interkultureller Klamauk: Vor ein paar Wochen, kam mein ehemaliger Mitbewohner für eine Nacht zu Besuch. Wir unterhielten uns eine Weile und irgendwann versuchte ich ihm zu erklären, dass ich ein Hamburger bin. Leider steht das Wort im Chinesischen wie auch im Englischen nicht nur für die Einwohner der Hansestadt, sondern auch für das allseits beliebte Fastfood. Richtig problematisch wird es dann, wenn der Gegenüber nur sehr eingeschränkte Englischsprachkenntnisse besitzt und noch nie etwas von der Stadt gehört hat. Mein Mitbewohner jedenfalls fing an sich ausgiebig darüber zu beömmeln, dass ich aus einer Fleischbrötchenstadt komme…
Nun gut.. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihm letztendlich den Sachverhalt ausreichend klar machen konnte. Da er keine Lebensmittel mitbrachte, bot ich ihm zum Frühstück etwas von meinem Müsli an. Neugierig untersuchte er meine Rosinen-Schoko-Crunchies. Sowas hatte er noch nicht gesehen. Er versicherte mir, dass er es am Morgen versuchen werde. Wenig später kam er noch einmal zu mir. Da ich weder Töpfe noch sonstige Kochutensilien in meinem Appartment habe, fragte er sich, wo er das „Müsli“ denn aufkochen könne…

Dann gab es da natürlich ein paar Sonntage, an denen ich mal etwas Auslauf bekam. Einmal ging es in die Nachbarstadt Suzhou. Dort gibt es sehr schöne, alte und traditionelle Stadtteile, die es zu erkunden galt. Die Hin- und Rückfahrt bewältigten meine Begleiterin und ich mittels eines Busreiseunternehmens. Ich war (mal wieder) der einzige waigou ren an Bord und die Reiseleiterin kommentierte meine Anwesenheit öfter als notwendig über das Bordmikrophon. Wir passierten auf der Autobahn einen grässlichen Unfall zwischen zwei LKW’s, der augenscheinlich für den einen Fahrer nicht gut geendet haben kann. Im letzten Monat habe ich allgemein sehr viele Unfälle gesehen inklusive blutüberströmter Menschen… Man kann hier nicht vorsichtig genug sein.
Wir kamen zum Glück heil in der Stadt an. Der alte Stadtteil bestand aus alten und geschichtsträchtigen Gebäuden, zwischen denen sich Kanäle entlangwanden. Für einen kleinen Obolus kann man sich hier von einem chinesischen Gondoliere im Nachthemd durch das Städtchen schippern lassen. Mit etwas Glück fängt er dabei noch an schief zu singen. Wir verzichteten darauf.
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Die schmalen Häusergassen, die traditionellen Dächer und das dichte Menschengedränge vermitteln genau die Kliché-China Atmosphäre, die ich in Changzhou oft vermisse. Zwar wurden die alten Gebäude zumeist von Souvenirhändlern bezogen, doch hie und da fand sich ein echter Kunsthandwerker. Um die brütende Hitze erträglicher zu machen, wurde in vielen Gassen ein feiner Wassernebel versprüht. Eine Outdoor-Klimaanlage sozusagen. In diesem Moment stellte für mich diese Erfindung das Rad, den Buchdruck und das Feuer zusammen in den Schatten.
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Es gab allerlei Merkwürdiges zu kaufen. Von exotischen Gewürzen über Baby-Schildkröten bis hin zu kunstvollen Keramiken war alles dabei. Nach einem fantastischen Mal in einem kleinen Restaurant im Dachgeschoss und einem Besuch in den angrenzenden Tempelanlagen, kühlten wir uns mit einem Bier in einem Café ab. Das war leider auch schon zu viel für meine 1,60m Begleiterin… Offensichtlich angetrunken musste ich sie auf dem Rückweg zum Bus vor einem unfreiwilligen Bad im Kanal bewahren. Es wurde also noch ein Kliché an diesem Tag erfüllt.
Natürlich ist in den letzten Wochen noch viel mehr passiert, ich möchte damit aber nicht so durchhetzen und hebe es mir für die kommenden Beiträge. Ich bemühe mich redlich den Blog öfter zu pflegen!
Es bleibt aber nun endlich noch etwas Zeit für die Kröten im Supermarkt:
Als ich in der ersten Woche hier den örtlichen Supermarkt betrat, ahnte ich nichts böses. Ich kam in den Eingangsbereich und…
Oh, die Wäsche ist fertig. Werde die Geschichte nächstes mal fortführen.
Verkehrsregel der Woche: Wenn an einer mittelgroßen Kreuzung eine Ampel, vier Polizisten und vier Verkehrsordner den Verkehr regeln ist das noch lange kein Grund nicht die Abkürzung über den Fußgängerweg zu nehmen.
Unfallcounter: 13
Viele Grüße und bis zum nächsten mal!

Eingestellt von JonInAsia 06:28 Archiviert in China Kommentare (0)

Einmal Todeszone

Und zurück

storm 37 °C

Hier bin ich wieder und versuche meine alte Blogquote einzuhalten. Zu erzählen gibt es eigentlich immer genug. Und so auch in den letzten Tagen:
Da die Familie eines philipinischen Arbeitskollegen bald zu Besuch kommt und seine beiden total verwöhnten kleinen Söhne unterhalten werden wollen, haben wir beschlossen den örtlichen Vergnügungspark zu erkunden. Ihr denkt jetzt bestimmt: In China? Ist das nicht total überfüllt. Jahaa, aber an einem Wochentags abends sollte es doch gehen. Dachte ich…
Es handelt sich jedenfalls um den Dinosaur Park. Ich hab sogar in Shanghai Werbung dafür gesehen. Als wir ankamen wurden wir von einer heiteren Themenmusik und künstlichen Felskluften empfangen. Nach kurzem Schlange stehen konnte es auch schon losgehen. Entlang der Parkwege erhoben sich mächtige lebensgroße Dinosaurierfiguren. Wäre sogar recht ansehnlich gewesen, wenn sie nicht mit blinkend bunten neonlichterketten verziert gewesen wären… Derartige Geschmacksverirrungen und Kitschigkeiten zogen sich durch den gesamten Park. Dazu kamen teils unfertige Attraktionen und Achterbahnen, die im Nichts endeten. Und wieder diese heitere Musik…
Als es dann dämmerte, verwandelte sich der Park vollends in eine surreale Lichterwelt des schlechten Geschmacks. Z.B. standen dort Kunstpalmen (In einem Klima, in dem Palmen prächtig wachsen), ein perfekter Rasen, der dem Teletubby Land Konkurenz machte und Parraden, die direkt aus den wildesten LSD Fantasien zu marschieren schienen. Erwähnte ich den Themesong (vergleichbar mit einem Kinderlied), der einen überall begleitet? Er wird wirklich überall gespielt, dauert etwa 5 Minuten und wiederholt sich dann.
Trotz den vielen Blickfängen musste ich auch hier mal wieder als Fotomotiv für einige Lokaltouristen herhalten. Es gab sogar ein paar spannende Fahrgeschäfte, die unter einer Stunde Wartezeit jedoch nicht zu benutzen waren. So aßen und guckten wir unseren Weg durch den Park. Langsam nagte dieses… schöne Lied an meinem Verstand. Nach zwei Stunden war ich daher nicht allzu traurig, dass ein Feuerwerk das Ende der Öffnungszeiten verkündete. Natürlich habe ich auch einige Fotos geschossen:
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An einem anderen Abend habe ich mal wieder eine neue Bar ausprobiert. Zum Glück erwischten wir eine ohne aufdringliche Damengesellschaft. Hier fühlte ich mich zu Haus: lange dunkle Holztresen, Barhocker, Billard und Kicker begleitet von ACDC & Co. Eigentlich wollten wir noch weitere Bars ausprobieren, versackten dort dann aber beim Billardspielen. Irgendwann ging ich zum Kicker über und forderte ein paar junge Chinesen heraus. Ich hatte natürlich vorher ein, zwei Blicke rübergeworfen, ob ich denn da mithalten könnte. Wie sich herausstellte, bin ich hier in China der absolute Kickergott. Wer mal gegen mich gespielt hat, kann sich vorstellen wie schlecht die Chinesen gewesen sein müssen. Nunja, ich weis jetzt, wie sich Caro und Jo immer fühlen, wenn sie gegen uns Normalsterbliche spielen…

Am Sonntag begab ich mich dann wie angekündigt auf die große Reise zum Yangtse River. Google sagte etwas von 20km. Google sagte aber nicht, dass es sich bei 35 °C und abgasverseuchter Luft wie 50km anfühlt. Dazu machte ich einige Umwege, um den Hauptstraßen zu entgehen. Aber von vorn:
Ich war vorbereitet. Gepackt waren ein Regencape (es donnerte schon den ganzen Vormittag), ein kleiner Satz Werkzeug (ich traue chinesischen Fahrrädern nicht… mehr), 2 Liter Wasser bzw. Pespi, Kamera, und die entsprechende Googlemap aufm Ipod. Je weiter ich vom Stadtzentrum wegradelte, desto ärmer und provisorischer wurden die Behausungen. Dazu wird jeder kleine Streifen Grün mit diversen Gemüsen bepflanzt. Ich hab lange darüber nachgedacht, wie ich dieses „Stadtbild“ am besten beschreibe. Ein sehr guter, wenn auch merkwürdiger Vergleich ist Tschernobyl. Lasst mich erklären. Wir alle kennen die Bilder aus dem Fernsehen, wenn Reporter viele Jahre nach dem Vorfall durch das Dorf ziehen und Überbleibsel der Zivilisation filmen, die nach und nach von der Natur zurückerobert werden. Genau dieses Bild passt auf die Gebiete rund um die Stadt. Es ist, als wäre hier einst voller Eifer etwas neues tolles aufgebaut worden und dann einfach brach liegen gelassen worden. Es leben zwar Menschen dort, aber die Gebäude und Verkehrsanlagen zeugen nicht gerade davon. An vielen Stellen wurde der Bau auch nicht vollendet. So enden Straßen, Kantsteine, Wände und Dächer im Nichts ohne ein Zeichen, dass in den letzten Monaten daran gearbeitet wurde, noch das dies irgendwann nochmal passieren wird. Vielleicht kommt es auf den Fotos rüber:
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Je näher ich dem Fluss kam, desto mehr Industrie fand sich. Auch wenn sie nicht immer zu sehen war, so konnte ich sie immer riechen, schmecken und irgendwann auch in Form von Kopfschmerzen und Übelkeit fühlen. Die Luft wurde so schlecht und unerträglich, dass ich überlegte umzukehren. Es kostete mich körperliche Überwindung weiterzufahren. Es waren schließlich nur noch 3 km. Hier wohnte niemand mehr. Mir taten die Unglücklichen Leid, die hier arbeiteten.
Ein hoffentlich prachtvoller Blick auf den Fluss sollte mich für meine Strapazen entschädigen. Ich kam am Fähranleger an. Eine riesige Enttäuschung. Der betonierte Anleger, die verseuchte Luft und der Fluss unterschieden sich nur in Nuancen in ihren Grautönen. Naja, man muss es nehmen wie es kommt. Ich suchte mir einen einsamen Fleck, lies die Füße überm Wasser baumeln und versuchte mit einer Pepsi meine Übelkeit herunter zu spülen. Dies gelang sogar teilweise. Ich verbrachte dort einige Zeit und beobachtete das kommen und gehen der Fähren. Dort entstanden diese Fotos.
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Anschließend machte ich mich auf den Heimweg. Ich nahm eine alternative Route entlang eines Kanals, von dem ich wusste, dass er (hoffentlich) durch die Stadt fließt. Die Abendsonne verwandelte den grauen Himmel in ein Rosarot und so hatte ich auf dem Rückweg doch noch ein paar schöne Ausblicke.
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In der Nacht ließen mich Bauchkrämpfe nicht schlafen. Könnte am Essen gelegen haben, aber ich werd das Gefühl nicht los, dass es die Industrieabgase waren…
Verkehrsregel der Woche: Nachts ohne Licht freihändig Roller fahren und dabei SMS schreiben geht schonmal in Ordnung…
Unfallcounter: 7
Jetzt hab ich die Krötenstory ganz vergessen. Mist. Die wird nächste Woche nachgeliefert!
Machts gut!

Eingestellt von JonInAsia 07:50 Archiviert in China Kommentare (0)

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